Nachdem ich ja nun im Juni den geplanten Zugspitz-Ultratrail aus verschiedenen Gründen gecancelt hatte, sollte der Allgäuer Panorama Ultratrail als Ersatz dienen. Wobei ja ‘Ersatz’ das Vorhaben nur ungenau beschreibt. Ich hatte den Panoramatrail schon für mich als einen Saisonhöhepunkt definiert und auch entsprechend vorbereitet. Sprich, die Umfänge der letzten Wochen waren ok, und auch Bergtraining wurde gemacht. Da ja der Panoramatrail zugleich die Deutsche Meisterschaft des DUV im Cross- und Landschaftslauf sein sollte, erhöhte das zugleich den Anreiz dort einen möglichst guten Lauf hin zu legen.
So ging es dann also am Samstagmorgen mit Hans und Felix auf ins Allgäu nach Sonthofen. Das wir uns auf der Hinfahrt trotz Navi auch noch verfahren haben, wertete ich mal schon als schlechtes Omen. Wie sollte das dann erst bei 69km quer durchs Gebirge werden! Die Sorge war allerdings unbegründet, ich kann ja schon mal verraten, das ich es nicht geschafft habe mich zu verlaufen. Die Anmeldung verlief schon mal sehr unkompliziert, allerdings wurde in der Sonthofener Markthalle schon klar, was uns am nächsten Tag erwarten sollte. Blauer Himmel und strahlende Sonne, Temperaturen um die 30Grad. Das Teile der Strecke im Wald und somit im Schatten liegen sollten, tröstete mich da nur wenig. Da war eher die Information, das es aller 5km Getränkestellen geben sollte beruhigender. Das der Veranstalter dabei vergessen hatte zu erwähnen, das die nur die Marathon und Halbmarathonstrecke betrifft, war halt etwas Pech. Aber da ich meinen Trinkrucksack eh zu Hause vergessen hatte, stellte sich mir die Frage ob mit oder ohne Trinkrucksack zu laufen gar nicht. Da ja auch ein Jacke nicht wirklich nötig war, packte ich die Pflichtausrüstung (Rettungsdecke, Signalpfeife und Handy) und ein paar Gels in eine kleine Hüfttasche.
Nach einer relativ ruhigen aber kurzen Nacht in Oberstdorf, ging es nach einem kleinen Frühstück dann 5:00 Richtung Sonthofen zum Start. Dort versammelte sich schon langsam das 300 Starter große Feld. Noch schnell ein Foto gemacht und dann ging es auch schon los. Der Start dann selbst sehr unspektakulär. Zuerst sollte es gute 2,5km flach an der Iller entlang gehen. Da konnten die Systeme mal so langsam warmlaufen und einen Rhythmus finden. Das Thermometer zeigte da schon eine Temperatur von 17 Grad an. Zum Glück geht es ja dann auf den nächsten 10km gleich mal fast 1000m hoch, das sind ja dann bei 1 Grad je 100hm schon mal fast 10 Grad weniger. Dummerweise kommt natürlich auch mit der Zeit die Sonne raus und die Rechnung ist für die Katz. Der Anstieg lies sich erstaunlich gut laufen, an sehr steilen Stellen bin ich aber um Kraft zu sparen gegangen. Bei km9 an der Weltcuphütte dann die erste Getränkestation. Weiter bergauf, teilweise auf engen steinigen Trails mit sensationellen Ausblicken ins Tal, bis man dann bei km14 den Gipfel des Weiherkopfes erreicht hat. Meine Position konnte ich schwer einschätzen, da man nach vorne kaum Läufer sah und auch nicht klar war, wie viele Staffelläufer noch vor mir waren. Es lief aber gut und bergab konnte ich immer wieder Boden gut machen und auch den einen oder anderen Läufer überholen.
Bei km19 dann bei den Grasgehrenliften die erste Verpflegungstelle. Ein Blick in die Ergebnislisten zeigte mir später, das ich hier sogar auf dem 6.Platz lag. Weiter ging es teilweise mal leicht, mal steil bergab. Zwischendurch immer mal kurz wieder bergauf. Insgesamt sehr kurzweilig bis Rohrmoos, wo bei km25 die nächste Getränkestelle war. Nachdem ich die letzten 5km alleine war, überholte mich hier ein Läufer. Die Idee bei ihm dranzubleiben habe ich dann schnell verworfen. Hier hatte ich meine erste Schwächephase. Auf einer etwas eintönigen Asphaltstraße ging es hier Richtung Gasthof Hörnlepass. Die Straße war einer Streckenänderung geschuldet, da die normale Strecke durch das Moor am Hörnlepass nach ergiebigen Regenfällen nicht laufbar war. Auch die Sonne wurde jetzt immer kräftiger und der Mund immer trockener, so wurde es sehr zäh bis zur Gasthof Hörnlepass bei km33 wo es endlich wieder etwas zu trinken gab.
Der nächste Streckenabschnitt sollte nicht wirklich für Erholung sorgen, auch wenn es jetzt 3km bis hinab nach Riezlern ins Kleinwalsertal gehen sollte. Muskulär war eigentlich alles ok, keine Krämpfe und so, aber energetisch hatte ich das Gefühl komplett leer zu sein. Und jetzt sollte es gleich die nächsten 400hm hoch zum Söllereck gehen! Kein guter Zeitpunkt für einen Durchhänger, so verlor ich hier kampflos 2 Plätze. Nach fast genau 4 Stunden und 41km dann endlich die Verpflegungsstation am Berghaus Schönblick erreicht und den zweiten Hauptanstieg hinter mich gebracht. Soweit noch alles im Plan. Nach ein paar Bechern Wasser und einem Gel fühlte ich mich wieder etwas besser. Jetzt nur noch ein paar kleine giftige Rampen rauf, bevor es bergab nach Oberstdorf gehen sollte. Bis zur Erdinger-Arena also gute 7km, auf den man sich etwas erholen kann. Da sich die Strecke bis auf ein kurzes Stück mit Stufen und Wurzeln ganz gut laufen lies, klappte der Plan auch ganz gut und ich konnte sogar bergab wieder auf einen Läufer vor mir aufschließen.
Die Erdinger-Arena in Oberstdorf bei km50 ist eine Möglichkeit (sogar mit Wertung) aus dem Rennen auszusteigen. Man würde sogar die Medaille des Panorama-Marathons als Trostpreis bekommen. Bis hier her benötigte ich 4:56 Stunden und lag erstaunlicherweise immer noch auf dem 8.Platz. Nachdem es mir aber wieder etwas besser ging, war Aussteigen hier keine Option für mich. Also kurz mit unserem Gastgeber Harry geschwatzt (nachdem er schon in den Tagen vorher die Strecke von Oberstdorf nach Sonthofen markiert hatte, übernahm er mal gleich in der Arena die Massage der müden Läuferbeine), ein Gel genascht und sogar einen Schluck des alkoholfreien Namensgeber der Arena genommen und weiter ging es. Aber auf den nächstem steilen Stück deutet sich das kommende Dilemma schon an. Fast 30 Minuten sollte ich für die 3 Kilometer aber eben auch 350hm benötigen. Zwar konnte ich dann auf den restlichen 2km abwärts bis zur Gaisalpe noch etwas Boden gut machen, aber das härteste Stück sollte ja erst noch kommen.
Jetzt galt es, auf den nächsten gut 5km die 600hm zum Sonnenkopf zu überwinden. Bei mir war der Ofen allerdings aus, 80 Minuten sollte ich für den Anstieg zum Sonnenkopf benötigen. Genial, das es einige Helfer nicht nehmen liesen und auf dem Sonnekopf einen Verpflegungspunkt einrichteten. Immerhin musste ja das Wasser und die Cola dort per Rucksack hochgetragen werden. Vielen Dank auch hier noch mal an alle Helfer! Das mich bei dem Anstieg allerdings nur ein Läufer überholte, deutete aber darauf hin, das es den anderen Läufern nicht unbedingt besser erging. Mal abgesehen von Thomas Miksch, dem späteren Sieger! Während die andern Top10 Läufer im Schnitt 2,5h für die 20km über den Sonnenkopf von Oberstdorf nach Sonthofen benötigt haben, brauchte der 48jährige Miksch lediglich 2 Stunden! Ich sollte dagegen schon allein für die letzten 10km eine Stunde brauchen und dabei ging es ja immerhin nur noch bergab. Fast 1000hm sollten nun bis Sonthofen ins Ziel vernichtet werden. keine einfache Aufgabe, wenn man kaum noch Kraft in den Beinen hat. Naja und so ist es auch kaum verwunderlich, das ich hier nochmal zwei Plätze verlor. Das absolute Minimalziel (neben ankommen) war jetzt nur noch die 8Stunden-Marke. Wenigstens das sollte klappen und so bin ich mit 7:58 als 12. Gesamt ins Ziel.
Im Ziel benötigte ich etwa Zeit um das Ganze etwas einzuordnen. Einerseits war ich glücklich im Ziel zu sein, andererseits ärgerte ich mich dann schon etwas über das (aus meiner Sicht) suboptimale Ergebnis. Das Wetter als Ausrede könnte man zwar gebrauchen, wäre allerdings fehl am Platz, da alle dieselben Bedingungen hatten und vor allem die Zeit des Siegers für sich spricht (lediglich eine Minute über Streckenrekord). Aber nach entsprechender Flüssigkeitszufuhr (dummerweise gab es im Ziel nur Wasser, Iso und Erdinger alkfrei) und viel Melone (lecker!) und einer guten Stunde im Relaxbecken des Schwimmbades konnte ich schon das eine oder andere Fazit für mich ziehen.
Erst einmal war es eine tolle Veranstaltung mit einer wirklich beeindruckenden Strecke, grandiosen Helfern und guter Organisation. Ein weiteres wesentliches Fazit ist, man kann am Fockeberg nicht wirklich für einen echten Berglauf trainieren und auch der Rennsteiglauf taugt nicht unbedingt als Gradmesser. Da muss ich mir wohl was einfallen lassen. Auch generell muss man bei so einem langen Lauf mit entsprechende Höhenmetern noch einiges an Lehrgeld zahlen, bis man eine passende Taktik findet. Hilfreich ist da natürlich, wenn man die Strecke schon kennt. Das Benutzen von Trinkrucksack und Stöcken ist definitiv überlegenswert, hängt aber sicherlich auch von Wetter und Strecke ab. Wenn ich da im Gegensatz allerdings sehe, das ich lange Zeit gut vorne mitlaufen konnte, bin ich da am Ende doch sehr zufrieden mit dem Erreichten. Auch wenn ich mehr erhofft hatte. Aber ich denke ich halte mir noch ein paar weitere Versuche frei.
Das einzig betrübliche ist nur, das ich mit nur 3,5Minuten den dritten Platz in der M40 und somit die Bronzemedaille bei der Deutschen Meisterschaft verpasst habe. Als kleine Entschädigung haben wir den Deutschen Meister in der M65 mit nach Leipzig genommen. Herzlichen Glückwunsch hier nochmal an Felix!
2 Kommentare:
Glückwunsch zum Sammeln von ganz viel Erkenntnissen und dem Erreichen des Ziels unter 8h. Nächtes Mal mit Trinkrucksack.
Ich bin ansonsten kein Freund von Alters- oder ähnlichen Korrekturformeln, aber eine "Wir-trainieren-im-Flachland-Korrekturformel" bei Alpinläufen will ich auch. Da es so was (zum Glück) nie geben wird, hilft wohl nur ein Trainingslager in den Bergen. Genügend Mitstreiter finden sich in der Stadt bestimmt.
Gute Erholung und Dank, dass Du schon nach 2 Tagen zu einem Bericht Laune hattest.
Also die Holzmedaille bei einer DM ist doch wohl aller Ehren Wert und diese Höhenmeter muss man doch erstmal bewältigen, schließlich sind wor keine Bergziegen.
Sachsenwilli
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