Montag, Mai 02, 2011

Harzquerulant

Ein letzter Test in der Vorbereitung zum Rennsteiglauf sollte die Harzquerung sein. Die Harzquerung geht 51 km (wie der Name schon sagt) quer über den Harz und zwar von Nord (Wernigerode) nach Süd (Nordhausen). Es gibt zwar noch ein paar kürzere Streckenalternativen, aber der Klassiker ist nun mal die lange Strecke. Diese kann man laufen oder wandern.Das war schon seit Beginn dieser Veranstaltung so. Zwischendrin gab es immer mal Unterbrechungen, da die Grenznähe manchmal doch für Aufregung bei den Grenzern sorgte, wenn sich ein Läufer mal verirrte.
Ich gebe zu, das war jetzt kein besonders gelungener Einstieg zum Blogbeitrag. Aber da die Harzquerung eine sehr familiäre und traditionelle Veranstaltung ohne großes Brimborium ist, passt das schon wieder.

Da der Harz durchaus auch für einen Kurzurlaub gut geeignet ist und praktischerweise auch noch die Osterferien diesmal günstig lagen, wurde gleich ein Familienausflug draus gemacht. Die Quartiersuche gestaltete sich allerdings etwas schwierig, da praktischerweise am selben Wochenende auch noch Walpurgisnacht gefeiert wurde. Und da gibt es natürlich in der Nähe des Blocksbergs eine ganze Menge Feste und Veranstaltungen mit entsprechenden Besuchern. Dazu dann auch noch die gut 800 Teilnehmer der Harzquerung. Das ist auch für eine so touristisch perfekt ausgebaute Stadt wie Wernigerode eine große Aufgabe. Mit etwas Glück haben wir aber eine wunderschöne Ferienwohnung mit genialem Blick über Wernigerode gefunden und mussten dann nur am Samstag einen kleinen Umzug ins Hotel machen. Dummerweise lag die Ferienwohnung etwas weit oben und am Ende der kleinen lockeren Laufeinheiten im Vorfeld der Harzquerung hatte ich schon eine kleine Ahnung davon, was mich erwarten sollte.
Die Anmeldung war etwas gewöhnungsbedürftig. Zwar war schon im Vorfeld abzusehen, das es im Vergleich zu den Vorjahren eine extreme Steigerung bei den Starterzahlen geben wird, das hat aber die Organisatoren nicht davon abgehalten, die Anmeldung ganz traditionell so wie immer zu machen. So stand man eine gute halbe Stunde in der Schlange bevor man Startnummer, Gepäckanhänger und Busfahrkarte hatte. Während der Wartezeit hatte man wenigstens Gelegenheit, die vielen ‘tollen’ Finisher-Shirts verschiedenster Ultralaufveranstaltungen zu bewundern. Bei dem etwas unorganisierten Anmeldungsprocedere hatte ich so ein paar Bedenken bezüglich der Streckenmarkierung.
Am Samstagmorgen ging es dann, nachdem man das Gepäck beim entsprechenden Fahrzeug verladen hatte, die gut 500m zum Start. Dort relativ weit vorne positioniert, denn nach den Berichten sollte es schon kurz nach dem Start eng auf schmalen Pfaden ohne Überholmöglichkeiten weiter gehen.Dann ging es auch schon los. Und in der Tat die Berichte hatten nicht zu viel versprochen, schon nach 200m wurde es eng. Nach 4km hatten wir die ersten 250 Höhenmeter hinter uns um gleich wieder wertvollen Höhenmeter auf dem Abstieg zur Zillierbachtalsperre zu verlieren.
Ich war hier eigentlich schon jenseits von Gut und Böse, der Kilometerschnitt war bis hier irgendwo bei 5:15min/km, zwischendurch musste ich sogar schon ein Stück gehen. Ich versuchte auf den nächsten etwas flacheren Kilometern so was wie einen Laufrhythmus zu finden, aber da ging es auch schon gleich wieder hoch. Und prompt auch jetzt noch die Abbiegung verpasst. Einer vorne weg, alle anderen hinterher. Dann ging es nicht weiter und von hinten rief jemand. Also wieder zurück. Man muss aber trotzdem feststellen, das die Markierung erstklassig war, denn immerhin handelt es sich um 50km quer durch den Wald die entsprechend markiert werden müssen. Und bis auf diese eine Stelle (die eigentlich nur unglücklich markiert war, beim Zurücklaufen sahen wir dann den Pfeil und das Flatterband) war es an allen Stellen gut und eindeutig markiert.
Wenigstens ging es jetzt nicht mehr ganz so wild hoch und runter. Die Wege blieben aber größtenteils eng und uneben. Hier hatten die Organisatoren nicht zu viel versprochen, als sie in der Ausschreibung schrieben, das breite Wege gemieden werden soweit es geht. Ich war irgendwie aber irgendwie davon ausgegangen, das sie meinten es würden nur Straßen und Forstwege gemieden. Manchmal hatte ich aber das Gefühl, das selbst vorhandene Wanderwege mal einfach gemieden wurden. So ging es auf holperigen Pfaden durch den Harz. Manchmal sogar mit Bäumen, die quer über den Weg lagen. Jedenfalls hatte ich dafür nicht das passende Schuhwerk an (Nike Lunar Racer) und bei Regen wäre es sicherlich an einigen Stellen echt kritisch geworden.
Mittlerweile hatte wenigstens so etwas wie einen Rhythmus gefunden und konnte wenigstens den Kilometerschnitt auf 4:40min/km drücken. Jetzt warteten nur noch die 300 Höhenmeter des Poppenbergs auf mich. Oben auf dem Gipfel gab es dann die 4.Verpflegungsstelle. Dort im Vorbeilaufen mal gleich noch 2 Läufer kassiert und abwärts auf die letzten gut 10km bis zum Ziel. Bis auf zwei (allerdings sehr unangenehme) Anstiege sollte es jetzt nur noch bergab gehen. Irgendwann hatte ich dann drei Läufer vor mir in Sichtweite. Zwei davon konnte ich dann noch 5km vorm Ziel passieren. Der andere konnte sich noch vor mir ins Ziel retten. Am Ende war es dann der 5.Platz Gesamt und so richtig weiß ich nicht, ob ich damit zufrieden sein soll. Viel hat ja nicht gefehlt nach vorne und wenn ich das eine oder andere Stück gelaufen und nicht gegangen wäre …!? Egal, am Ende hat es Spaß gemacht und bis auf den eher bescheidenen Anfang war es auch ein schöner Lauf. Was die Zeit für den Rennsteig wert ist, kann ich allerdings nicht beurteilen, also muss ich auch da mich etwas überraschen lassen.
Jetzt gibt es noch eine ordentliche Belastungswoche mit dem Stundenlauf als letzten Formtest und dann geht es auch schon in die letzten zwei Wochen.

2 Kommentare:

gretelsrun hat gesagt…

Ich bin echt gespannt, was Du zu Rennsteig gucken lässt. Hauptsache mal ohne Verlaufen :-D

Ich denke Du bist super vorbereitet und Drück Dir die Daumen für Dein Ziel.

LG
Christian

Thomas hat gesagt…

Auch wenn Deine Siegesserie gerissen ist, ein tolles Ergebnis. Und auf dem Rennsteig hast Du ja dann eher "Autobahnen" zu laufen. Übrigens ist es ab jetzt auch keine Beleidigung mehr, wenn man Dich als Querulanten bezeichnet....